Die Kinder- und Jugendhilfe Neuhausen bietet ein differenziertes Hilfeangebot für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und deren Familien auf der rechtlichen Grundlage des Kinder- und Jugendhilfegesetzes. Wir stellen den jungen Menschen und seine Familie in den Mittelpunkt. Toleranz in weltanschaulichen und religiösen Fragen, Achtung und Wertschätzung der Person und Vertrauen in die positiven Wachstumskräfte bestimmen unsere Wertvorstellungen, die auf einer christlichen Grundhaltung basieren.
Wir wollen einen sozialen Lebensort gestalten, in dem die jungen Menschen in ihren persönlichen, sozialen und schulischen Kompetenzen gestärkt werden und sich entsprechend ihrer Fähigkeiten entwickeln können.

Auch die Arbeit mit den Eltern/Sorgeberechtigten und weiteren wichtigen Bezugspersonen hat bei uns einen großen Stellenwert. Gemeinsam mit ihnen und den Kindern oder Jugendlichen wollen wir positive Zielvorstellungen von ihrer Zukunft entwickeln und in die Tat umsetzen.

Die Kinder- und Jugendhilfe Neuhausen bietet dem Alter, Entwicklungsstand und der jeweiligen Lebenssituation angepasste Betreuungs- und Wohnformen an, wenn eine langfristige oder vorübergehende Förderung und Betreuung außerhalb oder zusätzlich zur Familie notwendig ist. Die unterschiedlichen Hilfeansätze ermöglichen eine individuelle und flexible Unterstützung. Die Angebote können je nach Bedarf ineinander übergehen.

Folgende Hilfeformen stellen wir bereit:

  • Innenwohngruppen
  • Dezentrale Wohngruppe für Mädchen und junge Frauen ab ca. 13 Jahren
  • Verselbständigungsgruppe für junge Frauen ab 16 Jahren
  • Betreutes Jugendwohnen
  • Intensive Sozialpädagogische Einzelbetreuung für Kinder und Jugendliche
  • Heilpädagogische Tagesgruppen
  • Soziale Gruppenarbeit
  • Flexible Jugendhilfe "friz" für maßgeschneiderte Hilfen für Kinder, Jugendliche und deren Familien
  • Café Frida, Treffpunkt für allein erziehende Mütter Ostfildern)
  • Frauentische (Ostfildern)
  • Ausbildung zur Hauswirtschaftshelferin mit angeschlossener Wohngruppe im Rahmen von Berufsförderungsmaßnahmen
  • Intensive sozialpädagogische Begleitung (ISB), dem ehemaligen Projekt Outcast, in Trägergemeinschaft mit drei weiteren Jugendhilfeeinrichtungen des Landkreises, der Gesellschaft für Erziehungshilfe GfE.
  • Dieses Angebot richtet sich an Eltern und an Jugendliche, die von den bestehenden Angeboten nicht erreicht werden, die aber eine intensive und flexible Begleitung brauchen.

Träger der Kinder- und Jugendhilfe Neuhausen ist der Sozialdienst katholischer Frauen e.V. (SkF) -Diözese Rottenburg-Stuttgart. Der SkF ist eine bundesweite Vereinigung katholischer Frauen, die auf der Grundlage eines christlichen Weltbildes Mädchen und Frauen, Kindern und Jugendlichen, allein Erziehenden und Familien in Not- und Konflikt- situationen ihre Unterstützung anbieten, unabhängig von Religion und Nationalität.


Geschichtliche Entwicklung der Kinder- und Jugendhilfe Neuhausen

Am 30.06.1914, genau vier Wochen vor Ausbruch des 1. Weltkrieges, wurde das von Mathilde von Dellingshausen gegründete und von Franziskanerinnen geleitete Kinderheim St. Josef in Neuhausen eröffnet mit dem Ziel, die Versorgung und Erziehung v.a. der Kinder von nicht verheirateten Müttern zu sichern. Ledige Mütter und deren Kinder hatten damals einen sehr schweren Stand in der Gesellschaft, und die Entlastung und Unterstützung sollte ihnen neue Chancen ermöglichen. Das Paulusstift, ein Mutter-Kind-Haus in Stuttgart, das Mathilde von Dellingshausen bereits 1910 eröffnete, platzte inzwischen aus allen Nähten. St. Josef bot damals Platz für 40 Säuglinge und 20 Kinder bis zu 6 Jahren.

Auf die enorme Nachfrage für Säuglingsplätze, eine der Folgen des Krieges, reagierte der Verein mit einem Ausbau des Kinderheims St. Josef, so dass nun Platz war für ca. 120 Säuglinge.

1943 wurde St. Josef durch die Gestapo beschlagnahmt und diente bis 1946 als Ausweichstelle für das fliegergeschädigte Olga-Kinderkranken-haus. Die Kinder mussten auf verschiedene Heime im Oberland verteilt werden. Die Ordensschwestern konnten bleiben, wenn auch von der Stadt Stuttgart für das Krankenhaus dienstverpflichtet.

In den 50er Jahren, wieder als Reaktion auf die ständig steigende Nachfrage nach Plätzen, wurden nochmals umfangreiche bauliche Veränderungen vorgenommen.

1953 bot die Gemeinde Neuhausen dem Verein ein Haus, das bis dahin als Gaststätte diente und unmittelbar an St. Josef angrenzte, zum Kauf an. Der Verein nutzte die Chance, im Marienhof ein Wohnheim für allein erziehende Mütter einzurichten, was in der damaligen Zeit als Pionierarbeit galt. Erst allmählich setzte sich der Gedanke durch, wie wichtig die frühe Kindheit und eine feste Bezugsperson für die Entwicklung der Kinder ist, und im ganzen Bundesgebiet gab es noch keine Einrichtungen, die es einer ledigen Mutter ermöglichten, Berufstätigkeit und die Sorge für ein Kleinkind miteinander zu verbinden.

Als 1957 der Neubau des Paulusstiftes mit einem angegliederten Mütterwohnheim fertiggestellt war, wurde das Wohnheim in Neuhausen aufgelöst und der Marienhof zu einem Kinderheim mit 5 Gruppen zu je 10 Kindern umgestaltet.

Auch das Kinderheim St. Josef musste sich sowohl baulich als auch konzeptionell den veränderten Anforderungen in der Kinder- und Jugendhilfe anpassen. Mit der Anerkennung als Erziehungsheim wandelte es sich in den 70er Jahren von einem Heim für Säuglinge und Kleinkinder zu einer Einrichtung, in der nun auch Schulkinder und Jugendliche betreut werden konnten.

In dieser Zeit zogen sich die Ordensfrauen mehr und mehr aus der pädagogischen Arbeit zurück, einerseits aus Altersgründen, andererseits, da sie als Säuglings- und Kinderkrankenschwestern für eine andere Zielgruppe ausgebildet waren.

1979 wurden die beiden bis dahin getrennt arbeitenden Heime, die aber inzwischen gleiche Aufgaben erfüllten, unter einer Gesamtleitung zusammengeführt. Die Gesamtplatzzahl beider Häuser lag bei 77.

Im gleichen Jahr startete die Arbeit der Heilpädagogischen Tagesgruppe in Neuhausen als erste Tagesgruppe im Landkreis Esslingen überhaupt. 1991 kam eine zweite Tagesgruppe in Esslingen hinzu.

Seit 1985 werden in der Kinder- und Jugendhilfe 6 Absolventinnen der Förderschule oder des Berufsvorbereitungsjahres im Rahmen von Berufsförderungsmaßnahmen zur Hauswirtschaftshelferin ausgebildet und in einer eigenen Wohngruppe sozialpädagogisch betreut.
Nachdem das Alter der zu Betreuenden stetig gestiegen war und die Nachfragen nach Alternativen zur traditionellen stationären Unterbringung zunahmen, wurde 1997 das Betreute Jugendwohnen für junge Menschen zwischen 16 und 21 Jahren aufgebaut und eine der Innenwohngruppen in eine Außenwohngruppe umgewandelt. Diese, zunächst als koedukative Gruppe konzipiert, entwickelte sich zu einer Gruppe für Mädchen und junge Frauen ab 13 Jahren mit einem mädchenspezifischen Ansatz. Hinzu kam eine Verselbständigungsgruppe für 3 Mädchen und junge Frauen ab 16 Jahren.

In den folgenden Jahren wurde das Hilfeangebot ständig ausdifferenziert, v.a. im ambulanten Bereich. 1998 startete die erste Gruppe für Soziale Gruppenarbeit im Scharnhauser Park als Einstieg in die ambulante und wohnortnahe Betreuung von benachteiligten Kindern und Jugendlichen. Schnell kamen neue Gruppen in verschiedenen Standorten auf den Fildern hinzu.

Intensive Soziale Einzelbetreuung (ISE) für Jugendliche und Kids erweiterten das ambulante Angebot, und 2001 öffnete "friz", zunächst im Rahmen eines dreijährigen Modellprojektes, seine Pforten im Scharnhauser Park. Flexibel, regional, integriert und zentral sollte diese Anlaufstelle für junge Menschen und deren Familien sein, wie der Name "friz" sagt. In Kooperation mit dem Landkreis Esslingen und der Stadt Ostfildern entwickelt "friz" individuelle Hilfen möglichst frühzeitig und im Lebensfeld der Ratsuchenden. Die Vernetzung mit weiteren Institutionen vor Ort gewährleistet den ganzheitlichen, auf den jeweiligen Bedarf zugeschnittenen Ansatz für den Einzelfall. Aber auch die präventive Arbeit und die aktive Mitgestaltung positiver Lebensbedingungen in Ostfildern hat "friz" sich zum Ziel gesetzt.

Etwa zur gleichen Zeit wie "friz" wurde das Projekt Outcast von der Kinder- und Jugendhilfe initiiert. Vier Jugendhilfeeinrichtungen des Landkreises schlossen sich zu einer Trägergesellschaft zusammen, und so konnte Outcast 2001 seine Arbeit aufnehmen. Ziel von Outcast ist die zeitlich begrenzte Begleitung von Jugendlichen zwischen 12 - 17 Jahren in extremen individuellen und sozialen Notlagen, die von den üblichen Formen der Jugendhilfe kaum aufgefangen werden können. Outcast setzt an den persönlichen und sozialen Ressourcen der jungen Menschen an, sucht mit ihnen nach Lösungsmöglichkeiten für die aktuellen Problembereiche und versucht, ein soziales Netzwerk aufzubauen, das den Jugendlichen in seinem Alltag unterstützen kann.
Inzwischen ist aus Outcast die "Intensive sozialpädagogische Begleitung", kurz ISB, geworden unter der Trägerschaft der Gesellschaft für Erziehungshilfe Esslingen GbR, einem Zusammenschluss von drei freien Trägern der Jugendhilfe im Landkreis Esslingen unter Beteiligung der Kinder- und Jugendhilfe Neuhausen.

Um der Ausweitung des ambulanten Bereiches gerecht zu werden, wurde das Kinder- und Jugendheim Neuhausen, wie es seit der Zusammenlegung von St. Josef und dem Marienhof hieß, in Kinder- und Jugendhilfe Neuhausen umbenannt.

Auch im stationären Bereich bleibt die Zeit nicht stehen. Im Laufe der Jahre sank die Platzzahl im vollstationären Bereich auf 33 (Stand 3/2005). Immer wieder muss sich die Einrichtung neuen Gegebenheiten und Bedarfen anpassen, was sie derzeit, nach dem starken Ausbau der ambulanten Hilfen, mit einer Ausdifferenzierung der einzelnen Wohngruppen tut. Vor wenigen Jahren spezialisierte sich die Außenwohngruppe auf mädchenspezifische Arbeit, und inzwischen ist die Umstrukturierung einer Innenwohngruppe zur familienaktivierenden Gruppe, basierend auf dem lösungsorientierten Ansatz, mit verstärkter Elternarbeit und gezieltem Hinarbeiten auf eine mögliche Rückführung in die Familie abgeschlossen.